Lauwil

Bewirtschafterin:
Annemarie Bader
Hof Holle
60 Bäume, 50 Sorten

 

Im Gespräch mit Annemarie Bader, der Bewirtschafterin unseres Sortengartens auf dem Metzgeracher, Hof Hollen in Lauwil (Mitteilungsblatt 2006)

An den jährlichen Rundgängen auf den Sortengärten des Vereins zeigte sich der Standort Metzgeracher in Lauwil als vorbildlich gepflegt.
Es freut uns, mit diesem Standort die Serie der Vorstellung unserer Sortengärten weiter zu führen.

Der Hof Hollen in Lauwil ist seit der Mitte des 19. Jahrhundert im Besitz der Familie Bader. Die Vorfahren zogen damals vom Oberen St. Romai hierher. Wie bei so vielen ausserhalb der Dörfer liegenden Höfen, hat auch Hof Hollen seinen Ursprung in einer ehemaligen Feldscheune, die seinerzeit mit einem Wohnhaus ergänzt und im Laufe der Zeit zum heutigen, stattlichen Gehöft wurde.
Der Familienbetrieb wird sehr vielseitig, nach den Richtlinien für biologische Landwirtschaft bewirtschaftet. So ist Annemarie Bader verantwortlich für die Landwirtschaft mit Obstbau und Schafzucht. Die Schafe liefern Fleisch (z.B. Whisky-Würste), Wolle und Felle.

Für die Spezialitätenbrennerei zeichnen die Eltern verantwortlich. Nebst den gebrannten Wassern aus den hofeigenen Früchten betreiben Baders die erste Whisky-Brennerei der Schweiz (Swiss Whisky).
Im Gespräch dringt immer wieder deutlich durch, dass wir es hier mit einer vor innovativen Ideen sprühenden Bauernfamilie zu tun haben, die ihre verschiedenen Produktionszweige zu einem erfolgreichen Ganzen verwoben hat.

M.F.: Vor fast 12 Jahren, im Februar 2005 haben wir die Vereinbarung für den EDELCHRÜSLER-Standort bei Euch in Lauwil abgeschlossen. Wie haben sich die jungen, in ehemaligem Ackerland gepflanzten Bäumchen in dieser Zeit entwickelt?

A.B.: Zu Beginn hatten wir einige Anlauferfahrungen zu machen: Besonders mussten wir erkennen, dass grosse Anstrengungen zum Schutz vor dem Verbiss der jungen Bäumchen durch eindringendes Wild und halt auch der Schafe notwendig sind. Seit wir den geeigneten Schutz gefunden haben, entwickeln sich die Bäume sehr gut. Auch die an vielen Orten schwierigen, von grosser Trockenheit geprägten Jahre 2003 und 2006 haben unsere Bäume ohne grössere Schäden überstanden. Dies ist zweifellos auf die Integration in unserem vielfältigen Betrieb zurückzuführen. Wir konnten den Bäumen mit einem Restprodukt aus der Brennerei, dem Gemisch nährstoffarmer Maische mit Wasser die nötige Feuchtigkeit zuführen.

Wir haben damals 60 Bäume mit 55 verschiedenen Sorten gepflanzt. Wie ist der Bestand heute?

Auf den 60 Bäumen gedeihen 50 Sorten. Dies ist einerseits die Folge der zu Beginn notwendigen Ersatzpflanzungen nachdem ein paar Bäume den Schafen und Rehen ‚zum Opfer’ gefallen waren. Andererseits hat die im Laufe der Jahre vorgenommene Sortenbestimmung durch den Pomologen Frits Brunner einige Korrekturen ergeben.

Ist von diesen Bäumen bereits ein Ertrag zu ernten?

Ja, zwar noch bescheiden, aber im Herbst 2006 ergaben die Bäume etwa 4 Harassen Obst.

Wie verwertest Du diese Früchte?

Im Wesentlichen tragen sie bereits schön zum Eigenbedarf an frischem Obst bei. Zudem konnte ich ein paar Kilo der interessanten Früchte mit ihren verschiedenen Aromen an eine befreundete Ernährungsberaterin verkaufen. Auf diese Weise erhielten manche Leute die Gelegenheit, etwas von der Vielfalt des Kulturguts der Obstsorten zu erleben. Auf jeden Fall berichtete die Kollegin von vielen positiven Reaktionen.

Im Metzgeracher stehen viele junge Bäume. Da dürften wohl nicht nur Schafe und Rehe ein Problem sein. Wie steht es mit den Mäusen?

Tja, die Mäusebekämpfung ist eine grosse Daueraufgabe. Nicht jedes Jahr treten die Mäuse in gleicher Dichte auf. In Jahren mit vielen Mäusen mussten wir recht intensiv mit den Fallen dran gehen. Das war dann eine Aufgabe, an der sich die ganze Familie beteiligte.
Aber wir können mit regelmässiger Aufmerksamkeit die Mäuse auf einem erträglichen Niveau halten. Uns helfen natürlich auch die vielen Greifvögel, die in der Landschaft um Lauwil leben.

Wie wird die Parzelle mit den Bäumen sonst genutzt (Unternutzen)?

Meine Schafe weiden auf der Wiese. Es fällt auf, dass sich dies günstig, d.h. reduzierend auf den Mäusedruck auswirkt. Das eigentlich immer kurz gehaltene Gras wird von den Mäusen gemieden – weil sie dort keinen Schutz vor den scharfen Augen der Greifvögel finden. Nur gelegentlich, wenn das Gras nicht gut abgeweidet oder das Futterangebot zu gross ist wird gemäht. Dies geschieht auch dann, wenn ich der Wiese eine dreimonatige Ruhepause verordne, um den Kreislauf bestimmter Parasiten, die durch Schnecken übertragen werden können, zu unterbrechen.

Wir haben im Vertrag vereinbart, dass die Bewirtschaftung nach den Vorgaben des Kantons in der Weise erfolgt, dass Beiträge für ökologischen Ausgleich gemäss der entsprechenden Verordnung ausgerichtet werden können. Hat sich diese ökologische, bzw. biologische Bewirtschaftung bewährt?

Da unser Betrieb ohnehin als Ganzes nach den Richtlinien des biologischen Landbaus betrieben wird, passt diese Vorgabe bestens in unser Konzept. Die Bäume werden überhaupt nicht gespritzt. Selbstverständlich essen wir selbst lieber ungespritztes Obst und zudem will ich meinen Schafen auch nicht Chemikalien in ihr Wiesenfutter mischen! Dazu ist weiter zu erwähnen, dass auch der Einsatz von chemischen Hilfsmitteln mit recht grossem Aufwand verbunden ist. Eventuelle Nachteile spüren wir durch den Verzicht auf chemische Hilfsmittel nicht, denn unser Obst geht nicht in den Grosshandel. Wenn sich ein grösserer Ertrag ergibt, werden wir die Früchte im Rahmen unserer Direktvermarktung unter die Leute bringen.

Wie der Rundgang auf dem Hof Hollen zeigt, beschäftigt ihr euch ja nicht ausschliesslich mit EDELCHRÜSLER-Bäumen…

Richtig, wir besitzen ca. 600 Obstbäume und verarbeiten alles Obst selbst. Seit 10 Jahren geht nichts mehr in den Handel!

Der Arbeitseinsatz für die jungen Hochstammobstbäume ist recht gross. Offenbar hast du Freude an der Arbeit. Besteht eine bestimmte Beziehung zu den Bäumen?

Grundsätzlich pflege ich die Bäume selbst, d.h. ich schneide sie, ich gebe ihnen wenn nötig ergänzende Nahrung (Hofdünger), ich beobachte ihr Wachstum. Ja, dabei entsteht schon eine persönliche Beziehung zum Wesen Baum. Ganz besondere Freude bereiten mir natürlich diejenigen mit Früchten, die mir speziell schmecken…

50 alte Obstsorten gedeihen in Deinem EDELCHRÜSLER-Obstgarten. Da gibt es offenbar besondere „Lieblinge“?

Ja, die von mir bevorzugten Sorten sind: Belle et Bonne-Birne, Schoggiapfel (ein Lederapfel, schmeckt vorzüglich), Rosenapfel (oder Danziger Kant), Wissbrunnecher (Therwiler Sorte), Goldzeugapfel.

Vielen Dank für Deinen Einsatz und das Gespräch!
Martin Furter

 

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