Thürnen

BewirtschafterIn:
Lilly und Ernst Gisin-Widmer
Weieracker
45 Bäume, 13 Sorten

Sortenliste 

  • Adamsparmäne
  • Bohnapfel
  • Brünerling
  • Edelchrüsler
  • Erdbeerapfel
  • Glockenapfel (2006 durch Berlepsch ersetzt)
  • Gloster (als Stammbildner)
  • Kaiserapfel
  • Lederapfel BL
  • Menznauer Jägerapfel
  • Oetwiler Reinette
  • Schönapfel
  • Clairgeau (Birne)

 

 

 

 

Im Gespräch mit Ernst und Lilli Gisin, den damaligen BewirtschafterInnen unseres Sortengartens in Thürnen (Mitteilungsblatt 2005)

An den jährlichen Rundgängen auf den Sortengärten des Vereins zeigte sich der Standort Thürnen regelmässig als vorbildlich gepflegt. Es freut uns, mit diesem Standort die Serie der Vorstellung unserer Sortengärten weiter zu führen.

Der Hof an der Rebgasse 5 in Thürnen ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Gisin. Der Grossvater von Ernst Gisin erwarb das 1851, nach einem Dorfbrand, dem an der Rebgasse drei Bauernhäuser zum Opfer fielen, errichtete Bauernhaus in den 1850-er Jahren.
Lilli und Ernst Gisin sind beide schon seit einigen Jahren im AHV-Alter und bewirtschaften ihren kleinen Landwirtschaftsbetrieb somit eigentlich als Nebenerwerb. Kommt dann einst die Zeit, da sie sich mehr "zurücklehnen" möchten, dann wird ihr Sohn den Nebenerwerbsbetrieb voraussichtlich im ähnlichen Rahmen weiterführen.

Im Obstgarten im Weieracker stehen neben mächtigen alten Bäumen halbwüchsige und junge in schöner Gemeinsamkeit verteilt. So ein durchmischter Bestand weist auf langfristiges Denken hin, ist damit doch klar, dass nicht plötzlich alle Bäume alt werden und gefällt werden müssen. Erreicht ein Baum einst sein letztes Jahr, so wird dies nicht das Verschwindendes Baumgartens zu Folge haben. Vielmehr entsteht so der Raum für einen Jungen Baum, der bei entsprechender Pflege wiederum während manchem Jahrzehnt Früchte für die BewirtschafterInnen und Lebensraum für eine ganze Anzahl von Lebewesen bietet.

M.F.: Am 24.2.1995 habt Ihr Beide die Bewirtschaftungsvereinbarung mit dem Verein Edelchrüsler abgeschlossen. Als wir die Bewirtschaftungsvereinbarung abschlossen, hattet Ihr gerade 16 junge Gloster-Apfelbäume als Stammbildner gepflanzt. Wie haben sich diese in den 10 Jahren entwickelt?

Ernst: Es sind nun schöne, kräftige Bäume geworden und die meisten sind umveredelt, und zwar vor allem mit Edelchrüsler, Kaiser und Lederapfel. Dazu Ontario und etwas Glockenapfel.

Ist von diesen Bäumen bereits ein Ertrag zu ernten?

Ernst: Durch das Umveredeln sind die Bäume natürlich noch nicht ins eigentliche "wirtschaftliche" Ertragsalter gekommen. Am frühesten, d.h. nach etwa 10 Jahren, bieten die Ontario im Allgemeinen einen netten Ertrag. Sonst kommen die Bäume so mit etwa 15 Jahren in einen guten Ertrag.

Da im Weieracker ja nicht nur junge Bäume stehen, habt ihr aber sicher viel zu ernten. Wie verwertet ihr die Früchte?

Lilli: Wichtig war und ist natürlich der Most für den Eigengebrauch. Das sind jährlich so 500 - 600 Liter. Wir haben ja 5 Kinder mit ihren eigenen Familien… Dazu kommen noch einige 5-Liter-Boxen, die wir unserer Kundschaft anbieten. Was darüber hinaus anfällt, liefern wir der Genossenschaft (Landi, Gelterkinden) ab.

Ein Blick in den Baumgarten im Weieracker zeigt, dass Du, Ernst auch mit deinen 80 Jahren noch tüchtig am Bäume schneiden bist. Was hast Du für eine Beziehung zu den Bäumen?

Ernst: Für mich sind Bäume seit jeher ein ganz wichtiger Teil der landwirtschaftlichen Kultur. Von 1950 bis ins Jahr 2000 war ich Baumwärter für Thürnen und Sissach. Es freut mich, die Bäume gross zu ziehen, sie zu pflegen. Die gute Pflege hält den Baum gesund und die Früchte werden kräftig und schön - wenn nicht das Wetter (Trockenheit, Hagelschlag…) einen Streich spielt.

Wir haben im Vertrag vereinbart, dass die Bewirtschaftung nach den Vorgaben des Kantons in der Weise erfolgt, dass Beiträge für ökologischen Ausgleich gemäss der entsprechenden Verordnung ausgerichtet werden können. Hat sich diese ökologische, bzw. biologische Bewirtschaftung bewährt?

Ernst: Wir haben immer möglichst ohne chemische Hilfsmittel gearbeitet. Da es ohnehin meiner Überzeugung und Erfahrung entspricht, dass die Baumpflege mit Geduld und Aufmerksamkeit zum Erfolg führt, hat uns dies keinerlei Schwierigkeiten bereitet.
Lilli: Ganz allgemein wollten wir so wirtschaften, dass der Natur keine Belastung daraus erwächst. Dabei dachten wir auch an unsere 5 Kinder, denen wir gesunde Nahrung und bieten wollten.

Ihr beschäftigt euch ja nicht ausschliesslich mit Bäumen...

Lilli: Ja, tatsächlich haben wir uns in vielerlei Hinsicht für gemeinschaftliche Angelegenheiten im Dorf eingesetzt - und tun dies heute auch noch. Ich war während 30 Jahren im Vorstand der Gemüsebauern, wir haben die Sammelstelle für das Mostobst, die Kirschen und auch die Bohnen geführt. Heute haben wir noch die Milchsammelstelle für Thürnen, Sissach und Böckten. Allerdings sind die Zeiten schon anders als vor 20, 30 Jahren, so liefert zum Beispiel nur noch ein Betrieb von Böckten Milch ab.

Öffnet man bei Euch die Haustür, so kommt einem ein wunderbarer Duft von Obst - heute fällt das Quittenaroma auf - entgegen. Am Samstag riecht es bei Euch nach frischem Brot. Ist es das, was unter "Direktvermarktung" zu verstehen ist?

Lilli: Heute heisst das halt Direktvermarktung und ist es wohl auch. Aber das was Du hier im Haus erlebst, ist für uns die bequemere Weiterführung dessen, was wir schon immer gemacht haben. Früher bin ich zu Fuss mit dem (anfangs noch ausgeliehenen) Anhänger mit Most, Kirschen und Gemüse von Haus zu Haus gegangen. Heute kommen die Kunden zu uns. Unsere Kundschaft vertraut darauf, dass sie Früchte und Eier usw. ohne Zusätze erhält. Auch unsere Kartoffeln hinterlassen auf dem Feld und im Grundwasser keine "chemischen" Spuren, denn das Kraut mähen wir, abgespritzt wird nicht.

Vielen Dank für Euren Einsatz und das Gespräch!
Martin Furter

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